Die CLAUDE-Methode
Wichtiger Hinweis: Alle in diesem Kurs vorgestellten Programme dienen ausschließlich dem Erlernen von Prompting-Techniken. Sie sind nicht für die Anwendung am Patienten gedacht. Insbesondere medizinische Tools könnten einem Medizinprodukt gleichkommen und dürfen ohne regulatorische Zulassung nicht im klinischen Alltag eingesetzt werden.
Für einfache Tools reichen die bisherigen Techniken völlig aus. Aber wenn dein Projekt komplexer wird – mehrere Bildschirme, verschiedene Nutzerrollen, viele Funktionen – brauchst du eine strukturierte Methode, um der KI alles mitzuteilen. Die CLAUDE-Methode gibt dir dafür ein einfaches Gerüst.
Das Akronym
| Buchstabe | Bedeutung | Frage |
|---|---|---|
| C | Context (Kontext) | Worum geht es? Wer nutzt das Programm? |
| L | Logic (Logik) | Was soll das Programm tun? Welche Abläufe gibt es? |
| A | Anforderungen | Welche konkreten Funktionen muss es haben? |
| U | Umsetzung | Gibt es technische Vorgaben oder Einschränkungen? |
| D | Details | Wie soll es aussehen? Welche Besonderheiten gibt es? |
| E | Erwartungen | Was ist das gewünschte Endergebnis? Wie teste ich es? |
Du musst nicht immer alle Punkte ausfüllen. Aber je komplexer das Projekt, desto mehr Punkte helfen.
Beispiel 1: Notfall-Checklisten-App
KONTEXT:
Ich bin Allgemeinmediziner in einer Einzelpraxis. Meine MFA
und ich müssen im Notfall schnell auf Checklisten zugreifen
können (Reanimation, Anaphylaxie, Herzinfarkt, Schlaganfall).
LOGIK:
- Startbildschirm zeigt alle verfügbaren Notfall-Checklisten
- Antippen einer Checkliste öffnet die Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Jeder Schritt hat ein Abhak-Feld
- Timer läuft automatisch mit
- Am Ende kann die Checkliste als PDF gespeichert werden
ANFORDERUNGEN:
- Checklisten: Reanimation (BLS + ALS), Anaphylaxie Grad I-IV,
Akutes Koronarsyndrom, Akuter Schlaganfall (FAST)
- Medikamentendosen mit Gewichtsanpassung
- Große Buttons, die auch mit Handschuhen bedienbar sind
UMSETZUNG:
- Muss offline funktionieren (kein Internet im Notfall nötig)
- Tablet-optimiert (10 Zoll)
DETAILS:
- Rote Farbgebung für Notfall-Atmosphäre
- Jeder Schritt maximal 2 Zeilen Text
- Wichtige Dosierungen fett hervorgehoben
ERWARTUNGEN:
- Ich öffne die Seite, tippe auf "Anaphylaxie" und sehe sofort
den ersten Schritt. Ich kann mich durchtippen und am Ende
das Protokoll als PDF exportieren.
Beispiel 2: Praxis-Inventar-Verwaltung
KONTEXT:
Meine Praxis hat regelmäßig das Problem, dass Verbrauchsmaterial
unerwartet ausgeht. Wir brauchen eine einfache Bestandsübersicht.
LOGIK:
- Material wird mit Name, Kategorie und Mindestbestand angelegt
- MFA aktualisiert den Bestand bei Wareneingang und Verbrauch
- Wenn ein Artikel unter den Mindestbestand fällt, wird er
rot markiert
- Wöchentlich kann eine Bestellliste exportiert werden
ANFORDERUNGEN:
- Kategorien: Labor, Verband, Büro, Desinfektion, Spritzen/Nadeln
- Suchfunktion über alle Artikel
- Bestellliste als druckbare Seite
DETAILS:
- Übersichtliche Tabelle, sortierbar nach Kategorie oder Bestand
- Grün = ausreichend, Gelb = wird knapp, Rot = unter Mindestbestand
- Große "+/-" Buttons zum schnellen Anpassen des Bestands
ERWARTUNGEN:
- Meine MFA öffnet morgens die Seite, sieht auf einen Blick,
was bestellt werden muss, und kann die Bestellliste ausdrucken.
Beispiel 3: Fortbildungsplaner
KONTEXT:
Als Arzt muss ich CME-Punkte sammeln und den Überblick über
meine Fortbildungen behalten.
LOGIK:
- Fortbildungen eintragen mit Datum, Titel, Anbieter, CME-Punkte
- Automatische Berechnung der Punkte pro Jahr und pro 5-Jahres-Zeitraum
- Erinnerung, wenn das Punkteziel gefährdet ist
ANFORDERUNGEN:
- Ziel: 250 Punkte in 5 Jahren (50 pro Jahr als Richtwert)
- Kategorien: Präsenz, Online, Selbststudium
- Export als PDF für die Ärztekammer
DETAILS:
- Fortschrittsbalken zeigt aktuellen Stand
- Kalenderansicht der besuchten Fortbildungen
- Einfache Eingabemaske mit wenigen Pflichtfeldern
ERWARTUNGEN:
- Ich trage eine Fortbildung in 30 Sekunden ein und sehe
sofort meinen aktualisierten Punktestand.
Wann lohnt sich die CLAUDE-Methode?
Für kleine Tools (BMI-Rechner, Formular): Nicht nötig. Zero-Shot oder Future Prompting reichen.
Für mittlere Projekte (Dashboard, Inventar): Sehr hilfreich. Die Struktur verhindert, dass du wichtige Aspekte vergisst.
Für größere Projekte (Praxis-Management-Module): Fast unverzichtbar. Ohne klare Struktur liefert die KI bei komplexen Aufgaben oft unvollständige oder falsch priorisierte Ergebnisse.
Zusammenfassung
Die CLAUDE-Methode ist kein starres Schema, sondern ein Denkgerüst. Sie hilft dir, deine Anforderungen vollständig und strukturiert zu formulieren. Je komplexer dein Projekt, desto mehr profitierst du von dieser Struktur. Und du kannst sie mit den anderen Techniken kombinieren – z.B. Future Prompting für den Erwartungen-Teil oder Few-Shot für die Details.