Lektion 5 von 8 3 Min. Lesezeit

Sichere Werkzeuge – Cloud, lokal und was erlaubt ist

Sichere Werkzeuge – Cloud, lokal und was erlaubt ist

In den letzten Lektionen ging es um Risiken. Jetzt wird es konstruktiv: Welche Werkzeuge gibt es, und wie unterscheiden sie sich aus Datenschutzsicht?

Die drei Typen von KI-Werkzeugen

1. Öffentliche Cloud-KI

Das sind die bekannten kostenlosen oder günstigen Dienste, die jeder im Browser nutzen kann: die normale ChatGPT-Website, Gemini, Copilot im Browser und ähnliche.

  • Vorteil: Sofort verfügbar, sehr leistungsfähig, kostenlos oder günstig.
  • Nachteil: Daten gehen an den Anbieter, oft ins Ausland, teilweise zum Training genutzt.
  • Für Patientendaten: Nicht geeignet. Nur für anonyme bzw. allgemeine Inhalte.

2. Geschäftliche Cloud-KI mit Vertrag

Dieselbe Technik, aber in einer Unternehmens-Variante mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und besonderen Datenschutzgarantien (z. B. keine Nutzung der Daten zum Training, Serverstandort in der EU).

  • Vorteil: Leistungsfähig und – richtig eingerichtet – deutlich datenschutzfreundlicher.
  • Nachteil: Muss eingerichtet, vertraglich geregelt und freigegeben werden. Nicht jede Variante erfüllt automatisch alle Anforderungen.
  • Für Patientendaten: Nur, wenn ausdrücklich von der Praxis freigegeben.

3. Lokale KI

Hier läuft das KI-Modell direkt auf einem Computer in der Praxis. Die Daten verlassen das Haus nie.

  • Vorteil: Höchster Datenschutz, volle Kontrolle, keine Übermittlung nach außen.
  • Nachteil: Erfordert Einrichtung und passende Hardware; oft etwas weniger leistungsfähig als die großen Cloud-Modelle.
  • Für Patientendaten: Grundsätzlich am besten geeignet, sofern korrekt eingerichtet und freigegeben.

Was ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)?

Ein AVV ist ein Vertrag zwischen unserer Praxis und dem Anbieter eines Dienstes. Darin verpflichtet sich der Anbieter, die Daten nur in unserem Auftrag und nach unseren Weisungen zu verarbeiten, sie zu schützen und nicht für eigene Zwecke zu nutzen.

Ohne AVV dürfen wir personenbezogene Daten grundsätzlich nicht an einen externen Dienst geben. Die normale, private Nutzung von ChatGPT hat keinen solchen Vertrag.

Du musst keine Verträge prüfen – das ist Aufgabe der Praxisleitung und des Datenschutzbeauftragten. Aber du solltest wissen, dass es ihn gibt und warum er nötig ist.

Die entscheidende Regel für den Alltag

Es ist nicht deine Aufgabe, selbst zu entscheiden, ob ein neues Tool sicher ist. Das wäre auch unfair, denn die Bewertung ist komplex. Stattdessen gilt:

Nutze beruflich nur die KI-Werkzeuge, die unsere Praxis ausdrücklich freigegeben hat. Alles andere besprich vorher.

Das schützt dich genauso wie die Praxis. Wenn du ein neues Werkzeug spannend findest, ist das toll – bring es ein, statt es heimlich zu nutzen.

Warnung vor “Schatten-KI”

Als “Schatten-KI” bezeichnet man die inoffizielle, ungenehmigte Nutzung von KI-Tools im Beruf – zum Beispiel die private ChatGPT-App auf dem eigenen Handy für berufliche Aufgaben. Das ist verständlich, aber problematisch:

  • Die Praxis hat keinen Überblick und keine Kontrolle.
  • Es gibt keinen AVV und keine Garantien.
  • Im Schadensfall trägt am Ende die Praxis – und unter Umständen du persönlich – die Verantwortung.

Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu viel riskieren.

Checkliste: Bevor du ein KI-Tool beruflich nutzt

  1. Ist das Werkzeug von unserer Praxis freigegeben?
  2. Weiß ich, wofür ich es nutzen darf (anonyme Inhalte vs. Patientendaten)?
  3. Bin ich sicher, dass keine identifizierbaren Daten hineingelangen, wenn das Tool dafür nicht freigegeben ist?
  4. Im Zweifel: nachfragen, bevor ich etwas eingebe.

Zusammenfassung

Es gibt öffentliche Cloud-KI (nur für anonyme Inhalte), geschäftliche Cloud-KI mit Vertrag und lokale KI im Haus. Ob ein Tool für Patientendaten genutzt werden darf, hängt von Verträgen und der Freigabe durch die Praxis ab – das entscheidest nicht du allein. Vermeide “Schatten-KI” und nutze nur freigegebene Werkzeuge. In der nächsten Lektion wird es ganz praktisch: konkrete Do’s and Don’ts für den Alltag.