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KI im Praxisalltag – Do's and Don'ts

KI im Praxisalltag – Do’s and Don’ts

Genug Theorie – jetzt geht es um den Schreibtisch, den Empfang und das Backoffice. Wo hilft KI uns wirklich, und wo müssen wir die Finger lassen?

Wofür KI sich gut eignet (Do’s)

Überall dort, wo es um Sprache und Form geht und keine Patientendaten im Spiel sind:

  • Aushänge und Patienteninformationen formulieren: “Schreib einen freundlichen Aushang zu unseren geänderten Telefonzeiten.”
  • Allgemeine Gesundheitsinfos verständlich machen: “Erkläre Bluthochdruck in einfacher Sprache für ein Patienten-Merkblatt.” (Inhalt anschließend fachlich prüfen!)
  • Texte umformulieren oder kürzen: Einen von dir geschriebenen Entwurf höflicher, kürzer oder klarer machen.
  • E-Mails und Briefe an Lieferanten oder Behörden entwerfen: Solange keine Patienten genannt werden.
  • Ideen sammeln: Für eine Teamveranstaltung, einen Social-Media-Post oder die Praxis-Website.
  • Übersetzungshilfe: Allgemeine Sätze für die Kommunikation mit fremdsprachigen Patienten (keine konkreten Befunde).
  • Lernen und Nachschlagen von Fachwissen: Als Einstieg – aber immer mit Gegenprüfung (Lektion 3).

Was tabu ist (Don’ts)

  • Keine Patientendaten in Cloud-KI – kein Name, kein Geburtsdatum, kein Befund, keine identifizierende Beschreibung.
  • Keine medizinischen Entscheidungen an die KI delegieren – keine Diagnosen, keine Therapieempfehlungen, keine Dosierungen ungeprüft übernehmen.
  • Kein Hochladen von Dokumenten mit Patientenbezug (Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Fotos) in nicht freigegebene Tools.
  • Keine Screenshots aus der Praxissoftware in eine KI kopieren.
  • Keine ungeprüften KI-Texte direkt an Patienten weitergeben.
  • Keine “Schatten-KI” – keine privaten KI-Apps für berufliche Aufgaben (siehe Lektion 5).

Praxisbeispiele: richtig anonymisieren

Viele Aufgaben werden sicher, wenn man sie umformuliert. Hier drei typische Fälle:

Beispiel 1: Befund verständlich erklären

Falsch:

“Übersetze diesen Laborbefund von Frau Anna Weber, geb. 1968, in Patientensprache: …”

Richtig:

“Erkläre allgemein und verständlich, was ein erhöhter HbA1c-Wert bedeutet.”

Den persönlichen Bezug stellst du anschließend selbst her – ohne dass die KI je den Namen gesehen hat.

Beispiel 2: Beschwerde-E-Mail beantworten

Falsch:

“Antworte auf diese Beschwerde von Herrn Klaus Berger über seine Wartezeit am Dienstag …”

Richtig:

“Formuliere eine höfliche, deeskalierende Antwort auf eine Patientenbeschwerde über lange Wartezeiten.”

Beispiel 3: Fachfrage klären

Falsch:

“Meine Patientin Frau Klein nimmt Marcumar und jetzt zusätzlich … – ist das ein Problem?”

Richtig:

Solche Interaktionsfragen gehören nicht in eine allgemeine KI, sondern in die geprüften Fachquellen und die ärztliche Beurteilung.

Manche Fragen löst man also gar nicht mit Cloud-KI – das ist auch ein legitimes Ergebnis dieser Lektion.

Der 3-Sekunden-Check vor jeder Eingabe

Bevor du etwas in eine KI eintippst, geh kurz diese drei Fragen durch:

  1. Steckt ein identifizierbarer Patient drin? → Wenn ja: anonymisieren oder lassen.
  2. Verlasse ich mich auf die KI für eine medizinische Entscheidung? → Wenn ja: nicht der KI überlassen.
  3. Nutze ich ein freigegebenes Werkzeug? → Wenn nein: erst klären.

Diese drei Fragen fassen den ganzen Kurs in zehn Sekunden zusammen.

Zusammenfassung

KI ist im Praxisalltag stark bei sprachlichen Aufgaben ohne Personenbezug: Aushänge, allgemeine Infos, Umformulierungen, Ideen. Tabu sind Patientendaten in Cloud-KI, delegierte medizinische Entscheidungen und ungeprüfte Weitergabe. Mit konsequentem Anonymisieren und dem 3-Sekunden-Check bleibst du auf der sicheren Seite. In der nächsten Lektion klären wir, was zu tun ist, wenn doch einmal etwas schiefgeht.